Ohne Standard definiert jedes Tool sein eigenes Format: Figma speichert Styles in einem proprietären Format, Tokens Studio nutzt ein JSON-Format, das nicht vollständig kompatibel mit Style Dictionary ist, und jede Organisation erfindet ihre eigene Namenskonvention. Der W3C-Standard schafft erstmals eine gemeinsame Grundlage.
Aufbau des DTCG-Formats
Das Design Tokens Format Module der W3C Design Tokens Community Group definiert ein JSON-basiertes Format. Jeder Token hat einen Namen (implizit durch die JSON-Struktur), einen Wert ($value), einen Typ ($type) und optional eine Beschreibung ($description). Das Dollar-Prefix ($) kennzeichnet reservierte Schlüssel und unterscheidet Metadaten von Token-Gruppen.
{
"color": {
"brand": {
"primary": {
"$value": "#1D1F14",
"$type": "color",
"$description": "Primary brand color"
}
}
}
} Gruppen werden durch verschachtelte Objekte ohne $value dargestellt. Der $type kann auf Gruppenebene gesetzt werden und vererbt sich an alle Kind-Tokens – das reduziert Redundanz erheblich.
Token-Typen
Der Standard definiert folgende Typen:
Zusammengesetzte Typen (Composite Tokens) wie border, shadow, typography und gradient kombinieren mehrere Werte in einem Token. Das ist besonders relevant für Design-System-Dokumentation, wo zusammengehörige Werte als Einheit behandelt werden sollen.
Referenz-Mechanismus (Aliasing)
Aliasing verwendet geschweifte Klammern mit Punkt-Notation: {color.brand.primary}. Der Pfad verweist auf den Token in der JSON-Hierarchie. Zirkuläre Referenzen sind verboten. Dieser Mechanismus ermöglicht das 3-Tier-Modell: Semantic Tokens verweisen auf Primitive, Component Tokens auf Semantic.
{
"color": {
"green": {
"500": { "$value": "#72D36F", "$type": "color" }
},
"feedback": {
"success": { "$value": "{color.green.500}", "$type": "color" }
}
}
}Aktueller Stand und Tool-Support
Der Standard befindet sich als Community Group Draft in aktiver Entwicklung. Die grundlegenden Token-Typen sind spezifiziert, eine vollständige W3C-Recommendation steht noch aus.
Tool-Support wächst: Style Dictionary 4 unterstützt das DTCG-Format nativ als Input. Tokens Studio exportiert im DTCG-Format. Cobalt UI ist ein neues Build-Tool, das DTCG-first entwickelt wurde. Specify und Supernova bieten teilweisen Support.
CSS Custom Properties als Output
Das DTCG-Format ist ein Quellformat – kein Ausgabeformat. Der typische Workflow: Tokens im DTCG-JSON definieren, über Style Dictionary oder Cobalt UI transformieren, als CSS Custom Properties, SCSS-Variablen oder Tailwind/UnoCSS-Konfiguration ausgeben.
Die CSS-Ausgabe bleibt identisch, egal ob die Quelle ein proprietäres Format oder DTCG ist. Der Unterschied liegt in der Portabilität: DTCG-Tokens können zwischen Tools migriert werden, proprietäre Formate nicht.
Kernpunkte
- Das W3C DTCG Format ist ein JSON-basierter Standard mit
$value,$typeund$descriptionals reservierte Schlüssel. - Zehn Token-Typen (color, dimension, fontFamily, etc.) plus zusammengesetzte Typen (border, shadow, typography, gradient) decken alle Design-Entscheidungen ab.
- Aliasing über
{pfad.zum.token}ermöglicht hierarchische Referenzketten. - Style Dictionary 4 und Cobalt UI unterstützen DTCG nativ – die Tool-Landschaft wächst.
- DTCG ist ein Quellformat, kein Ausgabeformat – CSS Custom Properties sind ein möglicher Output.
- Wer im DTCG-Format dokumentiert, kann Tools wechseln, ohne Tokens neu zu definieren.

